Ärzte sind für Ungewöhnliches geschult

20. November 2015 | Von | Kategorie: Gesundheit, Nachrichten Vogelsbergkreis

Fortbildung im Krankenhaus: Rheuma, Diabetischer Fuß + Rundherd

KKH AlsfeldALSFELD (kiri). Einen spannenden Abend versprach Dr. Arno Kneip, Ärztlicher Leiter des Kreiskrankenhauses Alsfeld, den rund drei Duzend Haus- und Fachärzten, die zur alljährlichen Buß- und Bettag-Fortbildung in die Klinik kamen. Spannend deshalb, da an diesem Abend unter anderem Krankheitsbilder, Behandlungs- und Diagnoseverfahren vorgestellt wurden, die nicht allzu oft vorkommen, dennoch gut diagnostiziert und behandelt werden müssen. Eine gute Zusammenarbeit und ein konstruktiver Austausch zwischen Haus-, Fach- und Klinikärzten sei dabei eine grundlegende Voraussetzung.

Den Anfang machte Rheumatologin Dr. Elvira Decker. Genau ein Jahr vorher hatte sich die junge Ärztin an selber Stelle den Haus- und Klinikärzten vorgestellt, im Vorfeld ihrer Praxiseröffnung im Medizinischen Versorgungszentrum Alsfeld im Januar 2015. „Der Vogelsbergkreis hat sich als wahre „Fundgrube“ herausgestellt“, resümiert die Medizinerin und bezieht sich damit auf die Vielzahl der spannenden und seltenen Diagnosen, die sie hier Ort feststellt hat und behandeln kann. Ziel ihres Vortrages war es, die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen für die Vielfältigkeit von rheumatischen Erkrankungen zu sensibilisieren, sie in den Diagnostikprozess einzubinden und ihnen Informationen an die Hand zu geben, die es ihnen im hausärztlichen Alltag erleichtern, rheumatische Erkrankungen zu identifizieren.

Den zweiten Vortrag des Abends übernahm Dr. Steffen Lancee, Chefarzt der Allgemein-, Visceral- und Gefäßchirurgie im Kreiskrankenhaus Alsfeld. Er widmete sich dem Thema „Der Diabetische Fuß aus gefäßchirurgischer Sicht“. Dabei stellte er die typische Symptomatik aus Patientensicht vor, ging auf die Entstehung solcher durch Durchblutungsstörung entstandener Diabetischen Füße ein, erläuterte Diagnoseverfahren und stellte die unterschiedlichen Behandlungsmethoden – konservativ bis operativ – vor.

„Den Diabetischen Fuß“ thematisierte auch Chefarzt Dr. Peter Hien, Internist und Diabetologe im KKH, – allerdings aus internistischer Sicht und speziell mit einem Augenmerk auf Erkrankungen der Nerven. Hintergrund: Diabetiker leiden oftmals unter Empfindungsstörungen der Füße. So spüren sie oftmals nicht rechtzeitig den Schmerz, den eine Überlastung, Reibungs- oder Druckstelle am Fuß auslösen kann. „Bemerkt man diese wunden Stellen nicht rechtzeitig, beginnt sich erst einmal Hornhaut darüber zu bilden“, erläutert Hien, der darin die Gefahr sieht. „Das Bindegewebe unter der Hornhaut wird zerstört, aus den Druckstellen werden großflächig infizierte Wunden, die der Diabetiker auch zunächst wegen der Taubheit seiner Füße nicht spürt.“ Die leider viel zu oft notwendige Konsequenz sei eine Amputation. Jährlich seien davon rund 30.000 Menschen betroffen. „Das ist vermeidbar, wenn man einen geschulten Blick auf die Füße wirft – sowohl als Patient, als Pflegekraft sowie auch als Arzt.“, meint Hien, der im Anschluss Ursachen, Diagnostik, Behandlung und Pflege von Diabetischen Füßen anhand eines von ihm und Diabetesberaterin Ursula Reul-Hölscher erarbeiteten Leitfaden vorstellte.

Eine andere Erkrankung stellte im letzten Teil der Fortbildungsveranstaltung der leitende Oberarzt der Alsfelder Klinik, Dr. Johannes-Georg Elsing, vor: Den pulmonalen Rundherd. Ein runder Schatten auf der Lunge, der oftmals ein Zufallsbefund ist, den man gerade bei vorbereitenden Untersuchungen für Operationen findet. In seinem Vortrag ging Elsing auf die Möglich- und Notwendigkeiten von genauer Diagnostik ein, und verwies darauf, wie wichtig eine entsprechende Anamnese sei. Das Alter, Lebensgewohnheiten sowie die Größe und Struktur des Rundherdes seien für den weiteren Behandlungsverlauf entscheidend. Als Hilfestellung benannte der erfahrene Internist die Empfehlungen verschiedenen Forschungen und Leitlinien, riet aber dazu immer einen individuell optimalen Weg zwischen Diagnostik und der Grunderkrankung zu finden, weswegen der sich der Patient ursprünglich in ärztliche Behandlung gegeben hatte.

Die nächste Fortbildung für niedergelassene Ärzte organisiert das Alsfelder Kreiskrankenhaus wie jedes Jahr wieder am Aschermittwoch. Auch dort werden die Klinikärzte mit interessanten Themen und Neuigkeiten aus der Medizinischen Forschung aufwarten. –kiri-